Übersetzen

Übersetzen ist kein Sprachroulette

Ein professioneller Übersetzer ist nicht jemand, der zufällig zwei Sprachen beherrscht und deshalb gelegentlich den Eindruck gewinnt, ein Wörterbuch sei eigentlich ein ganz passabler Arbeitsplatz.

Übersetzen ist eine fachliche Dienstleistung. Und zwar eine, bei der Sprache nur die halbe Miete ist.

In Österreich wird die gewerbliche Übersetzung von der Wirtschaftskammer dem Bereich der Sprachdienstleistungen zugeordnet. Übersetzer arbeiten dabei für unterschiedlichste Fachgebiete – von Recht und Wirtschaft über Technik und Medizin bis hin zu Marketing, Medien und Produktkommunikation. Die WKO beschreibt dafür ausdrücklich einen hohen Anspruch an Sachkompetenz, Genauigkeit, Konzentration und fachliche Qualifikation.

Was dabei tatsächlich passiert

Eine gute Übersetzung beginnt nicht mit dem ersten Wort des Ausgangstextes.

Sie beginnt mit der Frage: Was soll dieser Text in der Zielsprache bewirken?

Dazu gehören die Analyse des Ausgangstextes, die Recherche von Fachterminologie, das Verständnis des jeweiligen Sachgebiets, die Berücksichtigung von Zielgruppe und Kontext und – wo erforderlich – die Arbeit mit Terminologiedatenbanken und spezialisierten Übersetzungstools.

Die WKO nennt genau diese Arbeitsschritte: Anforderungen klären, Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen, Dokumentation und Referenzmaterial beschaffen, Terminologie recherchieren und die fertige Übersetzung anschließend kontrollieren und korrigieren.

Das ist der Unterschied zwischen „Ich kann Englisch“ und „Ich kann einen englischen Vertrag, eine technische Dokumentation oder eine Unternehmenspräsentation professionell ins Deutsche übertragen.“

Das eine ist eine Sprachkenntnis.

Das andere ist ein Beruf.

Und ja: Übersetzen ist in Österreich ein Gewerbe

Für gewerbliche Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen sieht die WKO ein freies Gewerbe vor. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Anbieter automatisch dieselbe fachliche Qualität besitzt. Für dieses Gewerbe ist kein besonderer Befähigungsnachweis vorgeschrieben.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Denn „rechtlich darf ich diese Dienstleistung anbieten“ und „ich bin fachlich hervorragend dafür geeignet“ sind zwei verschiedene Aussagen.

Die WKO selbst weist deshalb darauf hin, dass der Beruf der Sprachdienstleister:innen nicht geschützt ist und Kunden bei der Auswahl insbesondere auf Spezialisierung, Berufserfahrung, Qualifikation, Weiterbildung und Zertifizierungen achten sollten. Als Qualitätsindikatoren nennt sie unter anderem einschlägige Hochschulabschlüsse, Zusatzqualifikationen, UNIVERSITAS-Zertifizierungen und die Norm ISO 17100.

Mit anderen Worten:

Der Gewerbeschein ist die Eintrittskarte.

Die Qualität der Arbeit ist das, was danach zählt.

Was einen professionellen Übersetzer ausmacht

Ein seriöser Übersetzer verspricht nicht, jedes Thema dieser Welt gleich gut zu beherrschen. Im Gegenteil.

Professionelles Übersetzen bedeutet auch, die eigenen fachlichen Grenzen zu kennen.

Ein Übersetzer, der sich beispielsweise auf Wirtschaft, Recht und Unternehmenskommunikation spezialisiert, sollte nicht so tun, als sei er gleichzeitig der ideale Ansprechpartner für eine hochspezialisierte neurochirurgische Publikation, eine Patentschrift und eine Bedienungsanleitung für eine industrielle Anlage.

Spezialisierung ist kein Mangel.

Sie ist ein Qualitätsmerkmal.

Auch die WKO empfiehlt Auftraggebern ausdrücklich, auf die jeweilige Spezialisierung und Berufserfahrung eines Sprachdienstleisters zu achten.

Und dann kommt das Vier-Augen-Prinzip

Ein professioneller Übersetzungsprozess endet nicht zwingend damit, dass der Übersetzer auf „Speichern“ klickt.

Bei qualitätsgesicherten Übersetzungsprozessen kann eine zweite qualifizierte Person den Zieltext überprüfen. Die WKO nennt das Vier-Augen-Prinzip ausdrücklich als Bestandteil professioneller Qualitätssicherung und verweist darauf auch im Zusammenhang mit ISO 17100.

Das klingt zunächst beinahe pedantisch.

Ist es auch.

Und genau das ist der Sinn.

Denn Fehler in einer Übersetzung sind manchmal nur peinlich. Manchmal sind sie teuer. Und manchmal verändern sie schlicht die Bedeutung.

Ein professioneller Übersetzer arbeitet deshalb nicht nach dem Prinzip „wird schon passen“, sondern nach dem wesentlich beruhigenderen Prinzip:

Prüfen. Recherchieren. Formulieren. Kontrollieren. Erst dann abgeben.

Was Sie als Kunde davon haben

Wenn Sie eine professionelle Übersetzung beauftragen, kaufen Sie nicht die mechanische Übertragung einzelner Wörter.

Sie kaufen die Sicherheit, dass Ihr Text in einer anderen Sprache inhaltlich korrekt, sprachlich natürlich, terminologisch konsistent und für seinen Zweck geeignet ist.

Genau darin liegt der eigentliche Wert professioneller Übersetzungsarbeit.

Eine Maschine kann einen Satz übertragen.

Ein guter Übersetzer muss zunächst verstehen, was dieser Satz überhaupt meint, warum er so formuliert wurde und wie man denselben Gedanken in der Zielsprache so ausdrückt, dass er dort nicht wie ein Satz klingt, der mit Gewalt aus einer anderen Sprache herübergeschoben wurde.

Und das ist, bei aller gebotenen Bescheidenheit, ein ziemlich großer Unterschied.

Kurz gesagt

Professionelles Übersetzen bedeutet:

  • sprachliche Kompetenz,
  • fachliches Verständnis,
  • sorgfältige Recherche,
  • terminologische Genauigkeit,
  • sichere Beherrschung der Zielsprache,
  • Kenntnis von Stil und Kontext,
  • strukturierte Qualitätssicherung,
  • Vertraulichkeit und Verantwortungsbewusstsein,
  • und die Bereitschaft, einen Text nicht einfach abzuliefern, sondern ihn vorher wirklich zu prüfen.

Die WKO beschreibt Sprachdienstleister dementsprechend nicht als bloße „Sprachkundige“, sondern als Kommunikationsprofis, die Unternehmen insbesondere bei internationaler Geschäftstätigkeit unterstützen. Sie hebt dabei ausdrücklich Genauigkeit, Sachkompetenz und fachliche Qualifikation hervor.

Wenn Sie mir also einen Text zur Übersetzung geben, bekommen Sie keine sprachliche Lotterie.

Sie bekommen eine fachlich bearbeitete Übersetzung – mit dem Anspruch, dass der Text am Ende nicht wie eine Übersetzung aussieht, sondern wie das, was er von Anfang an hätte sein sollen:

ein guter Text in der richtigen Sprache.